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Taktikfuchs oder Taktikniete? DAS sind Kovacs Spielprinzipien

Als Bundesligatrainer ist man Kritik ausgesetzt. Das hat kaum jemand mehr zu spüren bekommen als Niko Kovac. Doch dass der Kroate keine Spielidee habe oder gar konzeptlos sei, kann einfach widerlegt werden. Mittlerweile sind im Bayern-Spiel klare Kovac-Prinzipien erkennbar. Wir stellen zwei davon vor – und beantworten die Frage: Ist Kovac jetzt ein Taktikfuchs?

1. Kovac-Prinzip: Anlocken und Verlagern

Schnell auf den Flügel spielen und dann ab die Post! So ähnlich könnte ein Kovac-Vortrag an der Taktiktafel gelautet haben. Lange Zeit waren die Bayern unter dem 47-Jährigen keine wirklich gute Ballbesitzmannschaft. 'Waren' wohlgemerkt?

Dass Kovac schnellen vertikalen Fußball in München etablieren will, hat er schon in seinen ersten Wochen klar gemacht. Besonders hilfreich war das schnelle Spiel in die Spitze nicht immer. Die Bayern bereiteten ihre Angriffe zu wenig vor. Doch damit ist jetzt Schluss. Der Rekordmeister spielt mehr mit seinem Gegner. Er lockt ihn in Räume, um andernorts welche zu öffnen. Wie es eben die großen Ballbesitzmannschaften dieser Welt tun. Klingt kompliziert. Ist es aber nicht.

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Das Anlocken des Gegners klappt auch deshalb besser, weil Kovac mehr Aufbaupersonal einsetzt. Die Entscheidung pro Doppelsechs war vielleicht sogar der Wendepunkt des bayerischen Ballbesitzspiels. Durch das Sechserduo haben die Außenverteidiger fast immer eine Anspielstation in die Mitte. Mit nur einer Sechs war das nicht immer der Fall. Die nämlich rannte sich die Füße wund und konnte wegen der weiten Wege doch nicht ständig rechtzeitig zur Stelle sein.

Wenn einer der Außenverteidiger den Ball hat, muss es nun nicht mehr stumpf nach vorn gehen. Über (mindestens) einen Sechser kann das Spiel genauso gut verlagert werden. Dann muss der Gegner wieder verschieben. Und gibt vielleicht Räume preis.

Kovacs Pavard-Kniff hilft beim Anlocken

Neben der Doppelsechs hilft den Bayern ein weiterer kleiner Taktik-Trick: der tiefe Außenverteidiger. Durch Pavard wechseln die Bayern bunt zwischen Dreier- und Viererkette. Manchmal lässt sich der Franzose auf Höhe der Innenverteidiger fallen. Das macht es dem Gegner schwieriger, ihn zu pressen. Pavard hat das Spiel vor sich, ködert den Gegner – nur damit dann wieder auf die andere Seite gespielt wird. Richtig: Pavard assistiert als Innen-/Außenverteidiger-Mischung beim Anlocken und Verlagern. 

Dortmunds Lucien Favre hat diesen Kniff von Kovac am vergangenen Wochenende sogar kopiert. Gut für den Schweizer, dass es auf Taktik-Ideen kein Patent gibt. Sonst hätte ihm nämlich ordentlich Ärger ins Haus gestanden – und auf ‚Erfinder‘ Kovac ein Geldregen gewartet.

2. Kovac-Prinzip: Tief-Klatsch-Tief

Spätestens seit Leipzig ist klar: Niko Kovac mag Tief-Klatsch-Tief. Tief-Klatsch-Tief? Ja, richtig gelesen. Was etwas nach einem Kinderspiel klingt, ist ein beliebtes Passmuster in der Bundesliga.

Nach einem Pass nach vorne, im besten Fall hinter das gegnerische Mittelfeld, folgt eine Ablage auf einen anderen Spieler. Der hat den Blick zum gegnerischen Tor und kann wiederum einen Spieler in die Spitze schicken. So die Idee. Damit die funktioniert, muss aber häufig erst Prinzip eins greifen. Denn ohne Passwege geöffnet zu haben, kann ohne Weiteres kein tiefer Pass gespielt werden. Logisch. Gerade die defensivstarken Bundesligisten schenken ihren Gegnern keinen Raum.

Die hohen Kovac-Achter machen jetzt Sinn

Dass Kovac Fan von hohen Achtern ist, die sich hinter ihren Gegenspielern tummeln, ist kein Geheimnis. Aber mittlerweile werden die besser ins Spiel gebracht. Sie stehen nicht mehr im luftleeren Raum herum und warten auf ein Zuspiel. Vielmehr fordern sie Bälle und unterstützen gezielt die Außen. Im Zusammenspiel mit einem der beiden Sechser und dem Flügel gibt es viele Dreiecke, die Bayern zum Kombinieren nutzen kann. Zum Kombinieren im Tief-Klatsch-Tief-Stil. 

Vor allem Müller und Coutinho fühlen sich in den Achterrollen wohl und punkten mit schnellen Weiterleitungen. In Leipzig war Müller einer der Schlüsselspieler. Beim Heimspiel gegen den Effzeh konnte wiederum Coutinho seine Künste im Halbraum zur Schau stellen.

Wie auch immer man es dreht und wendet: Das Ergebnis bleibt dasselbe. Die Bayern haben nicht nur einen stärkeren Spielaufbau, sondern auch bessere Lösungen im Mittelfeld. Tief-Klatsch-Tief ist der neue Kovac-Hit.

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Taktikfuchs Kovac? 

Am vergangenen Spieltag kämpfte Kovac sogar um den Titel Taktikfuchs der Woche. Auch wenn es am Ende nicht für einen Platz auf dem Treppchen reichte: Der Stern des ehemaligen Frankfurters geht mehr und mehr auf. Dass Kovac jemals ein durchdachtes, asymmetrisches System auf das Feld bringen würde, hätten vor einem halben Jahr wohl nur die Wenigsten geglaubt. Schließlich war da nicht einmal klar, ob er im September 2019 überhaupt noch auf der Trainerbank des FC Bayern Platz nehmen würde.

Nach den letzten Wochen sitzt Kovac aber wohl erst einmal fester im Sattel. Obwohl es falsch wäre, ihn jetzt zum Taktikguru zu erklären. Dafür gibt es immer noch zu viele problembehaftete Phasen im Bayern-Spiel. Gegen Köln schmolz der tolle, neue Bayern-Fußball sogar schon nach etwa 15 Minuten dahin. Davor gegen Leipzig hatte Kovac zumindest nicht den besten Plan B in der Tasche.

Die Taktik-Qualitäten von Kovac bleiben schillernd. Es wird eine der interessanten Fragen der Saison, wohin seine Reise führt. Zweifelsfrei: Kovac stehen einschneidende Monate bevor, die über den Verlauf seiner Trainerkarriere entscheiden dürften. Kann er den Trainerolymp erklimmen und zu den Großen aufsteigen? Oder ist der Posten in München doch eine Nummer zu groß? Für eine endgültige Abrechnung scheint es noch zu früh. Aber eine taktische Niete ist Kovac nicht. Das beweisen die neuen cleveren Spielprinzipien.

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Tags: FC Bayern, Niko Kovac, Bundesliga

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