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Ist Coutinho das fehlende Puzzle-Teil?

Nach dem Auftaktspiel gegen die Hertha verkündete Sportdirektor Hasan Salihamidzic: Philippe Coutinho wird ein Spieler des FC Bayern. Der Brasilianer wird den Rekordmeister (vorerst) für eine Saison verstärken. Danach besitzen die Münchener eine Kaufoption. Doch was ist Coutinho für ein Spielertyp, wie kann er Bayern weiterhelfen?

Ein Hauch von James

Die Ähnlichkeiten sind offensichtlich. James Rodriguez und Philippe Coutinho wurden beide per Leihe verpflichtet, sind südamerikanische Kreativspieler und brachten in der Vergangenheit immer wieder Weltklasse-Leistungen. Dazu kamen sie von spanischen Giganten, bei denen sie keinen Platz mehr in der Startelf fanden. Spielerisch gibt es zwischen dem Kolumbianer und dem Brasilianer aber einige Unterschiede.

In seiner Karriere wurde Coutinho vor allem als linker Flügelspieler, Zehner oder als linker Achter in einem 4-3-3 eingesetzt. Seine Positionierung auf dem Feld blieb dabei aber immer ähnlich. Der 27-Jährige agiert stets im linken Halbraum, um von dort mit seinem starken rechten Fuß ins Zentrum zu ziehen. Er lässt sich gerne fallen, um den Ball zu fordern, will immer am Spiel teilnehmen und strahlt eine enorme Spielfreude aus.

Mit seinen 1,72 m ist er sehr quirlig, hat eine extrem enge Ballführung und dreht sich schnell auf, wenn er den Ball mit dem Rücken zum Tor bekommt. In diesen Szenen ist er nur sehr schwer vom Ball zu trennen. Teils bleibt er jedoch zu lange am Ball, wirkt dann etwas zu ballverliebt und verliert physische Zweikämpfe.

Im Optimalfall zeigt er aber seine ganze Kreativität. Coutinho kann wunderbare Schnittstellenbälle spielen und hat dank seiner grandiosen Technik keine Probleme, durch kleine Räume zu passen. Coutinho und James ähneln sich in dieser Hinsicht insofern, dass beide für Kreativität stehen - ein Element, was dem Bayern-Kader abgesehen von Thiago fehlt. Gerade aus dem Zentrum heraus.

Kein klassischer Flügelspieler

Coutinhos Spiel fällt merklich ab, wenn er auf dem Flügel 1-gegen1-Duelle gewinnen und in Richtung Grundlinie ziehen soll. Er besitzt keinen besonders schnellen Antritt, bringt körperlich nicht viel mit und kann den Ball nicht besonders gut abschirmen.

Hinzu kommt, dass er seinen linken Fuß nur selten benutzt. Dadurch liegt der Ball teils sehr offen, wenn er auf der linken Außenbahn dribbelt. All dies macht es Verteidigern recht einfach, den Ball gegen Coutinho am Flügel zu erobern. Somit bleibt dem Brasilianer nur die Bewegung ins Zentrum, die dadurch allerdings auch etwas vorhersehbar sein kann. Ein wenig kennen Bayern-Fans dies schon von Arjen Robben - mit dem Unterschied, dass der Niederländer seinen Fokus auf den starken Fuß zu kompensieren weiß. Das kann Coutinho als reiner Flügelmann eher nicht.

Achter, Zehner, Flügelspieler?

Coutinho ist an guten Tagen ohne Zweifel ein Weltklassespieler. Nun liegt es an Niko Kovac, ihn richtig einzusetzen. Er könnte als einrückender Flügel oder linker Achter im 4-3-3 oder als Zehner im 4-2-3-1 spielen, sollte Kovac sich für eine Systemumstellung entscheiden.

Auf dem linken Flügel würde er durch sein Einrücken viel Platz für Alaba auf der Außenbahn schaffen. Coutinho könnte eine konstantere Anspielstation im hohen linken Halbraum darstellen als Coman und somit das Positionsspiel auffrischen.

Als linker Achter würde Coutinho wohl gut ins aktuelle Kovac-System passen. Schließlich stehen die Achter oft hoch und müssen sich nur stellenweise am Spielaufbau beteiligen. Das liegt ihm mehr als das ständige Spiel in tiefen Räumen. Zum einen, weil seine größte Stärke im Fernschuss liegt. Dafür braucht er Aktionen in Strafraumnähe. Zum anderen kann Coutinho vor allem dann zum Schlüsselspieler werden, wenn er gegen tiefstehende Gegner Chancen aus dem Zentrum kreiert und seine Mitspieler mit Überraschungsaktionen hinter der gegnerischen Abwehr einsetzen kann. Anders als Thiago verfügt Coutinho zudem über kein herausragendes Aufbauspiel und verliert zu viele simple Bälle. Dies macht ihn sogar zu einer möglichen Gefahr in tiefen Räumen.

Bliebe noch die Zehner-Position, die letzte Saison von James ausgefüllt wurde. Der große Unterschied zwischen beiden liegt darin, wie sie diese Position interpretieren. James bleibt zumeist eher auf seiner Position, während Coutinho sich teils zu sehr fallen lässt und der Zehnerraum so unausgefüllt bleibt. Befindet er sich jedoch mit Ball am Fuß im hohen Mittelfeld, kann er für geniale Momente sorgen.

Hilft Coutinho denn nun?

Philippe Coutinho bringt ein neues Element in die Bayern-Offensive und kann diese definitiv beleben. Er besitzt zwar Weltklasse-Fähigkeiten, aber auch einige klare Schwächen. Sein tatsächlicher Einfluss wird davon abhängen, auf welcher Position ihn Kovac einsetzt und was er dort von ihm verlangt. Abzuwarten bleibt außerdem, wie der kleine Mittelfeldmann sich in das Pressingsystem der Bayern einfügt. Einen Mehrwert dürfte er wohl zweifelsfrei als Standardschütze liefern. Die Coutinho-Leihe klingt extrem vielversprechend, der Erfolg scheint aktuell aber noch offen.

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